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Risikolebensversicherung: Wie hoch sollte die Summe sein?

Wie wird die passende Summe einer Risikolebensversicherung häufig berechnet? Mit Beispielen für Familie, Kredit und Einkommen – plus Zahlen zur BaFin-Statistik.

Redaktion
·Kosten·16. Januar 2026·7 Min. Lesezeit
Junge Familie am Küchentisch mit Ordnern und Taschenrechner – Planung der finanziellen Absicherung

Der Moment ist meist unspektakulär: Der Kreditvertrag liegt auf dem Tisch, die Kita-Gebühren laufen, vielleicht ist ein zweites Einkommen gerade erst durch Elternzeit kleiner geworden. Und dann fällt dieser Satz: „Wir brauchen noch eine Risikolebensversicherung.“ Die nächste Frage trifft härter – nicht emotional, sondern rechnerisch: Wie hoch muss die Summe eigentlich sein?

Eine pauschale Zahl gibt es nicht. Aber es gibt Rechenwege, die viele Haushalte nutzen, um die Absicherungssumme plausibel herzuleiten – und um zu vermeiden, dass am Ende entweder zu wenig Schutz oder unnötig hohe Beiträge herauskommen. (Diese Informationen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine unabhängige Beratung.)

Wofür die Summe in der Praxis gedacht ist

Bei einer Risikolebensversicherung geht es im Kern um ein Szenario: Eine versicherte Person stirbt während der Laufzeit – und die Hinterbliebenen erhalten die vereinbarte Summe. Das Geld kann dann typischerweise dazu dienen,

  • laufende Kosten für einige Jahre zu tragen (Miete, Lebenshaltung, Kinderbetreuung),
  • Kredite zu tilgen oder zumindest zu stabilisieren,
  • finanzielle Brüche abzufedern (z. B. Einkommensverlust plus Zusatzkosten).

Wie „hoch“ die Summe sein kann, hängt deshalb weniger von der Police ab als vom Haushalt: Einkommen, Verpflichtungen, Rücklagen, Familienmodell – und auch davon, wie lange die Lücke voraussichtlich bestehen würde.

Wer sich tiefer mit Zahlen rund um Lebensversicherer beschäftigen möchte: Auf Versicherungszahlen.de finden Sie dazu keine Produktempfehlungen, sondern Daten. Zum Beispiel in unserer Datenanalyse zur Lebensversicherung.

Drei verbreitete Rechenwege – und was sie jeweils leisten

Viele Menschen nähern sich der Summe über eine von drei Logiken. Keine davon ist „die einzig richtige“, aber jede kann helfen, die Größenordnung zu prüfen.

1) „Einkommen mal X“ – die schnelle Plausibilitätsrechnung

Eine häufig genutzte Faustformel ist: ein Mehrfaches des Brutto- oder Nettoeinkommens abzusichern. Die Idee dahinter: Hinterbliebene brauchen Zeit, um sich neu zu organisieren – und Kosten laufen weiter.

  • Wer mit Nettoeinkommen rechnet, landet oft näher an den tatsächlichen Haushaltsausgaben.
  • Wer Brutto nimmt, bildet eher ein „Sicherheitsband“ ab, ist aber weniger passgenau.

Wichtig ist das „X“: Drei Jahre überbrücken fühlt sich anders an als zehn Jahre bis Kinder finanziell selbstständiger sind. Und je stärker ein Haushalt von einem Einkommen abhängt, desto relevanter wird diese Logik.

2) „Kredit plus Reserve“ – der Immobilien-Ansatz

Bei Finanzierungen ist die Frage oft glasklar: Soll der Kredit im Todesfall komplett abgelöst werden können – oder zumindest so weit, dass die Rate tragbar bleibt?

Viele Haushalte rechnen dann:

Restschuld (oder geplanter Tilgungsbedarf) + Puffer für Nebenkosten und Übergang

Zum Puffer zählen in der Praxis Dinge wie Notarkosten/Grundbuch bei Umfinanzierung, laufende Haushaltskosten für einige Monate oder zusätzliche Betreuungskosten. Die genaue Höhe ist stark individuell – wichtig ist, dass sie mitgedacht wird, statt nur die Restschuld zu versichern.

3) „Bedarfslücke“ – die detaillierte Haushaltsrechnung

Wer es genauer will, stellt die Haushaltsrechnung auf:

  1. Welche monatlichen Ausgaben bleiben im Ernstfall bestehen (Wohnkosten, Versicherungen, Kinder, Auto, Lebensmittel)?
  2. Welche Einnahmen bleiben übrig (Witwen-/Witwerrente, eigenes Einkommen des Partners, ggf. sonstige Leistungen)?
  3. Wie lange soll die Lücke geschlossen werden (bis Schulabschluss, bis Renteneintritt, bis Ende des Kredits)?

Dann wird die Lücke über den Zeitraum hochgerechnet – oft mit einer Sicherheitsmarge, weil niemand genau weiß, wie sich Inflation, Einkommen und Familienkosten entwickeln.

Diese Variante ist aufwendiger, aber sie produziert meist die nachvollziehbarsten Zahlen – und sie zeigt oft auch, wie wichtig Rücklagen (oder deren Fehlen) sind.

Drei Beispiele: Familie, Kredit, Einkommen – so kann die Rechnung aussehen

Beispiele helfen, Größenordnungen zu greifen. Sie sind aber keine Empfehlung, sondern Rechenillustrationen.

Beispiel 1: Familie mit einem Hauptverdiener (2 Kinder)

Angenommen, ein Haushalt hat monatliche Ausgaben von 3.200 Euro. Nach einem Todesfall könnten 2.200 Euro durch eigenes Einkommen und Leistungen gedeckt sein. Die Lücke: 1.000 Euro pro Monat.

Wenn diese Lücke für 8 Jahre geschlossen werden soll:

  • 1.000 Euro × 12 × 8 = 96.000 Euro

Dazu kommt häufig ein Puffer, etwa für einmalige Kosten (Umzug, Betreuung, Umbau der Arbeitszeit). Rechnen Haushalte hier z. B. zusätzliche 20.000 bis 40.000 Euro, liegt die gedankliche Zielgröße in diesem Beispiel bei rund 116.000 bis 136.000 Euro.

Beispiel 2: Immobilienkredit mit 280.000 Euro Restschuld

Hier ist die Logik oft: „Das Haus soll bleiben können.“ Dann wird häufig die Restschuld als Kern angesetzt.

  • Restschuld: 280.000 Euro
  • plus Reserve (z. B. 6–12 Monate Haushaltskosten oder Nebenkosten): je nach Haushalt, sagen wir 20.000 bis 40.000 Euro als reine Rechengröße

Ergebnis als Größenordnung: ca. 300.000 bis 320.000 Euro.

Ob wirklich die komplette Restschuld abgesichert werden soll oder ob ein Teilbetrag genügt, hängt stark von Einkommen, Zinsbindung, Rücklagen und dem zweiten Einkommen ab – das kann eine unabhängige Beratung besser einordnen als eine Faustformel.

Beispiel 3: Doppelverdiener, ähnliche Einkommen, geringe Fixkosten

Wenn beide Partner ähnlich verdienen und die Fixkosten niedrig sind, ist die Versorgungslücke häufig kleiner. Dann kann die Absicherung eher darauf zielen,

  • kurzfristige Umstellungskosten zu tragen,
  • ggf. Kinderbetreuung zu finanzieren,
  • einen Puffer für einige Jahre aufzubauen.

In solchen Haushalten sieht man in der Praxis oft niedrigere Summen als bei „Einverdiener + hoher Kredit“. Entscheidend ist: Die Summe spiegelt das Risiko der finanziellen Abhängigkeit wider, nicht den Familienstand an sich.

Laufzeit, Dynamik, fallende Summe: Warum „wie hoch“ nicht nur eine Zahl ist

Zwei Policen können dieselbe Summe versichern – und trotzdem sehr unterschiedlich wirken, weil der Zeitfaktor zählt.

  • Laufzeit: Wer bis zum Ende der Kreditlaufzeit absichert, denkt anders als jemand, der nur bis Kinder aus dem Gröbsten raus sind plant.
  • Konstante vs. fallende Summe: Bei Krediten wird häufig über eine fallende Versicherungssumme nachgedacht, die sich grob an der sinkenden Restschuld orientiert. Das kann Beiträge drücken, passt aber nicht zu jedem Bedarf (z. B. wenn gleichzeitig Kinderkosten steigen).
  • Dynamik/Anpassung: Manche Verträge sehen Anpassungen vor, damit die Summe über Jahre nicht „wegschmilzt“. Ob das sinnvoll ist, hängt davon ab, ob Einkommen, Lebenshaltung und Verpflichtungen voraussichtlich wachsen.

Welche Vertragsform zum eigenen Ziel passt, ist weniger eine Rechenfrage als eine Strukturentscheidung. Hier kann ein Versicherungsberater oder eine unabhängige Fachberatung helfen, die Annahmen sauber zu prüfen. Diese Informationen ersetzen keine professionelle Beratung.

Was die BaFin-Beschwerdezahlen zur Einordnung beitragen – und was nicht

Wenn es um Lebensversicherungen geht, taucht eine Sorge immer wieder auf: „Und wenn es im Leistungsfall Streit gibt?“ Einen Blick in die Statistik kann man werfen – ohne daraus voreilige Schlüsse zu ziehen.

Für die Sparte Lebensversicherung weist die BaFin für 2023 aus:

  • 1.301 Beschwerden bei
  • 79.227.548 Verträgen
  • das entspricht einer durchschnittlichen Beschwerdequote von 1,64 Beschwerden pro 100.000 Verträge.
  • Der Median lag bei 0,72.

(Quelle: BaFin-Beschwerdestatistik; Aufbereitung: Versicherungszahlen.de, siehe unsere Datenanalyse zur Lebensversicherung.)

Im Zeitvergleich zeigt sich außerdem: Von 2020 (1.064 Beschwerden) auf 2023 (1.301 Beschwerden) ist die Zahl der Beschwerden gestiegen – +237 Fälle, also +22 %. Die durchschnittliche Quote liegt 2023 bei 1,64 (2022: 1,41; 2021: 1,30; 2020: 1,36).

Wichtig dabei:

  • Eine Beschwerdequote sagt nichts darüber, ob eine Risikolebensversicherung „gut“ oder „schlecht“ ist – sie bildet nur Konfliktfälle ab.
  • Beschwerden können viele Gründe haben (Kommunikation, Vertragsauslegung, Bearbeitungsdauer), nicht nur „nicht gezahlt“.

Wer sich für die Unterschiede zwischen Unternehmen interessiert, findet bei uns eine reine Statistik-Übersicht: Statistik zu Versicherungsgruppen. Für andere Sparten zum Vergleich (z. B. weil manche Haushalte mehrere Policen parallel prüfen) gibt es ebenfalls Auswertungen, etwa zur Kfz-Versicherung Beschwerdestatistik oder zur Statistik zur Haftpflichtversicherung.

Typische Stolpersteine bei der Summe – und wie Sie sie vermeiden können

Die Rechenfehler passieren selten bei der Multiplikation, sondern bei den Annahmen:

„Wir haben ja Rücklagen“
Rücklagen sind wertvoll – aber die Frage ist: Reichen sie für 6 Monate oder für 6 Jahre? Und wären sie im Ernstfall sofort verfügbar oder in Immobilie/ETF gebunden?

„Der Partner kann einfach mehr arbeiten“
Das kann klappen – oder an Kinderbetreuung, Gesundheit oder Arbeitsmarkt scheitern. Solche Annahmen sind möglich, sollten aber realistisch sein.

„Der Kredit wird schon irgendwie laufen“
Bei hoher Rate und knapper Kalkulation kann „irgendwie“ schnell zu „Verkauf“ werden. Ob das akzeptabel wäre, ist eine bewusste Entscheidung – und beeinflusst die Summe massiv.

Ein pragmatischer nächster Schritt (ohne Schnellschüsse)

Wenn Sie eine Zahl brauchen, um Angebote überhaupt vergleichen zu können, hilft oft dieser Dreischritt:

  1. Fixkosten und Kredit notieren (monatlich und Restschuld).
  2. Zeitraum festlegen, der überbrückt werden soll (z. B. bis Ende Zinsbindung, bis Kinder älter sind).
  3. Zwei Summen rechnen: einmal „knapp“, einmal „mit Puffer“. Die Spanne zeigt, wo die Diskussion eigentlich liegt.

Und dann gilt: Bevor Sie abschließen, kann es sinnvoll sein, die Annahmen in einem unabhängigen Beratungsgespräch zu spiegeln – gerade wenn Kredit, Kinder oder ein starkes Einkommensgefälle im Haushalt zusammenkommen. Diese Informationen dienen der Orientierung und ersetzen keine individuelle Beratung.

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