Die BaFin hat ihre Beschwerdestatistik für das Jahr 2025 veröffentlicht – und die Zahlen haben es in sich: 8.428 Beschwerden gingen 2025 bei der Aufsicht über Versicherer unter Bundesaufsicht ein, nach 5.982 im Jahr 2024. Das ist ein Anstieg von rund 41 Prozent und der höchste Stand seit Jahren. Wir haben die neuen Daten bereits vollständig aufbereitet – alle Rankings für 2025 sind ab sofort abrufbar.
Was ist die BaFin-Beschwerdestatistik – und warum ist sie so wertvoll?
Wer sich von seinem Versicherer ungerecht behandelt fühlt – etwa weil ein Schaden nicht reguliert wird, die Bearbeitung sich über Monate zieht oder Beiträge unerwartet steigen – kann sich kostenlos bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beschweren. Die BaFin prüft jeden Fall und veröffentlicht einmal jährlich, wie viele Beschwerden auf welches Unternehmen entfielen – zusammen mit der Bestandsgröße, also der Zahl der versicherten Verträge oder Personen.
Das macht die Statistik zu einer der wenigen objektiven, amtlichen Datenquellen über die Servicequalität von Versicherern. Anders als Bewertungsportale lässt sie sich nicht durch gekaufte Rezensionen oder Marketing beeinflussen: Hinter jeder Zahl steht ein Kunde, dem der Gang zur Aufsichtsbehörde wichtig genug war.
Die Zahlen im Überblick
| Sparte | 2024 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Kfz-Versicherung | 2.434 | 3.997 | +64 % |
| Private Krankenversicherung | 1.027 | 1.668 | +62 % |
| Lebensversicherung | 1.163 | 1.044 | −10 % |
| Rechtsschutzversicherung | 420 | 620 | +48 % |
| Privathaftpflicht | 258 | 379 | +47 % |
| Wohngebäudeversicherung | 408 | 440 | +8 % |
| Hausratversicherung | 164 | 169 | +3 % |
| Unfallversicherung | 108 | 111 | +3 % |
Der Anstieg konzentriert sich klar auf drei Sparten – Kfz, PKV und Rechtsschutz. Die kleineren Sachsparten Hausrat und Unfall bleiben dagegen nahezu unverändert, und die Lebensversicherung ist die einzige große Sparte mit rückläufigen Beschwerdezahlen.
Die drei Treiber im Detail
Kfz-Versicherung: +64 Prozent
Mit knapp 4.000 Beschwerden entfällt fast die Hälfte aller Eingaben auf die Kfz-Versicherung. Das passt ins Bild der vergangenen zwei Jahre: Die Branche hat flächendeckend Prämien erhöht, viele Kunden haben gewechselt – und mit gestiegenen Reparaturkosten häufen sich Konflikte um Schadenregulierung und Bearbeitungszeiten. Die mediane Beschwerdequote liegt 2025 bei 3,11 Beschwerden je 100.000 Verträge. Die Spannweite ist enorm: Große Anbieter wie die Provinzial Nord (0,49) oder die Landschaftliche Brandkasse (0,53) bleiben weit darunter, während Direktversicherer wie die DA Deutsche Allgemeine (9,73) oder BavariaDirekt (14,64) ein Vielfaches des Medians erreichen.
Private Krankenversicherung: +62 Prozent
In der PKV dürfte die Beitragswelle zum Jahreswechsel eine zentrale Rolle spielen: Beitragsanpassungen sind traditionell der häufigste Beschwerdeanlass in dieser Sparte. Die mediane Quote liegt 2025 bei 3,94 je 100.000 Versicherte. Auch hier lohnt der Blick auf die Unterschiede: Die R+V Kranken (0,17) und die Württembergische Kranken (0,39) schneiden hervorragend ab, während die AXA Kranken mit 9,87 die höchste Quote unter den großen Anbietern verzeichnet.
Rechtsschutzversicherung: +48 Prozent
Die Rechtsschutzversicherung ist traditionell konfliktanfällig – es geht fast immer um die Frage, ob der Versicherer eine Deckungszusage erteilt. Auffällig 2025: Die ARAG SE verschlechtert sich von 4,58 auf 8,23 und liegt damit weit über dem Sparten-Median von 1,64. Deutlich besser stehen die ADAC Versicherung (0,29) und die R+V Allgemeine (0,69) da.
Gewinner und Verlierer 2025
Absolute Beschwerdezahlen sagen wenig über einzelne Anbieter aus – entscheidend ist die Beschwerdequote je 100.000 Versicherte. Ein Blick auf große Anbieter (mehr als 500.000 Versicherte), deren Quote sich am stärksten verändert hat:
Deutlich verbessert:
- Signal Iduna Kranken (PKV): Quote von 5,04 auf 3,23 gesunken
- Proxalto (ehemals Generali Leben, Leben): von 6,24 auf 4,10
- Auxilia (Rechtsschutz): von 2,44 auf 1,10
- Generali Deutschland (Wohngebäude): von 3,12 auf 1,28
- HDI (Kfz): von 5,53 auf 4,51
Deutlich verschlechtert:
- BavariaDirekt (Kfz): Quote von 7,20 auf 14,64 mehr als verdoppelt
- HanseMerkur Kranken (PKV): von 1,94 auf 5,91 verdreifacht
- ARAG SE (Rechtsschutz): von 4,58 auf 8,23
- ERGO (Privathaftpflicht): von 0,69 auf 1,41
- Ammerländer (Hausrat): von 0,37 auf 1,17
Die vollständigen Rankings mit allen Anbietern, Quoten und historischen Verläufen finden Sie auf den jeweiligen Spartenseiten.
So lesen Sie die Beschwerdequote richtig
Damit die Zahlen fair vergleichbar sind, ein paar Hinweise zur Methodik:
- Quote statt absolute Zahl: Ein Versicherer mit 12 Millionen Verträgen wird naturgemäß mehr Beschwerden haben als einer mit 100.000. Deshalb rechnen wir jede Beschwerdezahl auf 100.000 Versicherte um – erst dann sind Allianz und ein kleiner Regionalversicherer vergleichbar.
- Beschwerde heißt nicht automatisch Fehlverhalten: Die BaFin zählt eingegangene Beschwerden, nicht deren Ausgang. Eine hohe Quote ist ein starker Indikator für Unzufriedenheit mit Schadenbearbeitung, Kommunikation oder Vertragsabwicklung – aber kein Urteil.
- Vorsicht bei kleinen Anbietern: Bei wenigen Versicherten können schon zwei oder drei Beschwerden die Quote stark bewegen. Solche Werte kennzeichnen wir in den Rankings mit einem Volatilitäts-Hinweis.
- Ein Jahr ist eine Momentaufnahme: Aussagekräftiger ist der Verlauf über mehrere Jahre – den zeigen wir auf jeder Unternehmensseite. Ein einmaliger Ausreißer kann an einem Sonderereignis liegen; eine dauerhaft hohe Quote ist ein Muster.
Was bedeutet das für Sie als Versicherte?
Die Beschwerdestatistik ersetzt keinen Tarifvergleich – aber sie ergänzt ihn um die entscheidende Dimension: Wie verhält sich der Versicherer, wenn es darauf ankommt? Ein günstiger Beitrag nützt wenig, wenn die Schadenregulierung zäh ist. Unser Vorschlag:
- Prüfen Sie in den Rankings, wo Ihr aktueller Versicherer steht – insbesondere im Vergleich zum Sparten-Median.
- Schauen Sie sich den Mehrjahresverlauf an: Verschlechtert sich die Quote über mehrere Jahre, ist das ein Warnsignal.
- Bei einem anstehenden Wechsel: Beziehen Sie die Beschwerdequote als Qualitätskriterium neben dem Preis ein.
Und falls Sie selbst ein Problem mit Ihrem Versicherer haben: Die Beschwerde bei der BaFin ist kostenlos und formlos möglich – jede Eingabe fließt in die Statistik des Folgejahres ein.
Hinweis zur Datenlage
Die BaFin veröffentlicht die Erstversicherungsstatistik 2025 (mit Finanzkennzahlen wie Stornoquote, Schadenquote oder Verwaltungskosten) erst später im Jahr. Bis dahin basieren die 2025er-Seiten ausschließlich auf der Beschwerdestatistik; die Finanzkennzahlen und der vollständige Kennzahlen-Index folgen automatisch, sobald die Daten vorliegen.
Alle Rankings 2025
- Kfz-Versicherung 2025
- Private Krankenversicherung 2025
- Lebensversicherung 2025
- Rechtsschutzversicherung 2025
- Privathaftpflicht 2025
- Wohngebäudeversicherung 2025
- Hausratversicherung 2025
- Unfallversicherung 2025
Quelle: BaFin-Beschwerdestatistik, Berichtsjahr 2025. Eigene Auswertung und Aufbereitung.
